Sexuelle Vielfalt ist auch unser Thema

Bericht über den Workshoptag am 16. November 2014 im anyway Köln

Schwul, lesbisch, bi - wie tolerant bin ich, wie tolerant sind wir als KjG gegenüber Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung? Und warum ist dieses Thema in unserem Verband wichtig?

 

Zwanzig KjGler*innen verbrachten zu diesen und weiteren Fragen einen Sonntag im schwul-lesbischen Jugendzentrum „anyway“ in Köln. Der Ausschuss „KjG & sexuelle Vielfalt“ hatte zu diesem Workshoptag am 16. November eingeladen. Als ExpertInnen waren das Kölner Aufklärungs-Team „SchLAu“ sowie Pfr. Christoph Simonsen dabei.

Simonsen ist Hochschulpfarrer in Aachen und in seinem Bistum für die Seelsorge Homosexueller beauftragt. Inhalte und Diskussionen in seinem Workshop „Kirche & sexuelle Vielfalt“ waren u.a.:

  • Die Realität in der Gesellschaft gegenüber der Realität in der Kirche: In der Gesellschaft gibt es vielfältige Lebensentwürfe und Beziehungsformen. Doch für das  kirchliche Lehramt besagt das Naturrecht, dass nur eine Ehe zwischen Mann und Frau denkbar ist. Auf Grundlage des kirchlichen Lehramts  einen Wandel im Umgang mit Homosexualität anzustoßen, ist daher schwierig. Doch als Gläubige können wir es auch so sehen: Gott hat jeden Menschen – inklusive seiner sexuellen Orientierung -  so geschaffen, wie er ist. Und so hat er ihn gern.

  • Verantwortung und Solidarität: Der Mensch kann Verantwortung übernehmen, gerade wir in der KjG trauen sie ihm zu. Für sich selbst, das eigene Leben, aber auch in der Partnerschaft – ganz gleich zwischen welchen Geschlechtern. Wir in der KjG wollen angesichts der für junge Menschen schwierigen Position der Kirche nicht resignieren, sondern wir wissen um die Kraft der Solidarität, die Menschen in ihren Interessen verbindet und ermutigt.

  • Unsere Haltung als KjG: Die KjG ist ein Ort, an dem ein heilvolles „inneres Coming-out“ stattfinden kann, damit ein „äußeres Coming-out“ gelingt. Die Haltung, die wir mit unserem Antrag einnehmen, müssen wir in den Verband tragen und vor Ort durch Personen, Gespräche und konkretes Handeln (durch Angebote und Methoden) Wirklichkeit werden lassen.


Das ehrenamtliche „SchLAu“-Team klärt über schwul-lesbische Lebensweisen auf, um Vorurteile abzubauen und arbeitet vor allem mit Schulklassen. Ihr Workshop startete mit Methoden zur Sensibilisierung. Es wurden u.a. folgende Themen reflektiert und besprochen:

  • Vorurteile: Wir machen uns Bilder von anderen. Dies ist in Ordnung, denn es ordnet und strukturiert unser Denken. Aber wir müssen auch flexibel dabei bleiben und dürfen uns nicht von vorgefertigten Bildern in unserem Handeln leiten lassen.

  • Perspektivwechsel: Wir sollten nicht immer von einer Heterosexualität ausgehen und aus dieser heteronormativen Sichtweise heraus denken. Unterschiedliche sexuelle Identitäten sind Realität.
  • Situationen in der KjG: Jemand aus der Leitungsrunde outet sich. Ein Leiter der kommenden Ferienfahrt ist schwul und Eltern stellen Fragen. Ganz gleich, worum es geht: Wir wollen klar machen, dass wir hinter schwulen, lesbischen und bi-sexuellen Menschen in unseren Teams, in unserem Verband stehen.


Beide Workshops fanden zweimal statt und konnten daher von allen Teilnehmenden besucht werden. Im anschließenden Plenum ging es nach einer Zusammenfassung der Workshop-Inhalte vor allem um den Antrag, den der Ausschuss für die kommende Diözesankonferenz erarbeiten wird. Einen Vorschlag, wie wir als Kinder- und Jugendverband für sexuelle Vielfalt eintreten und handeln wollen.


In der Runde wurde deutlich, dass der Antragstext neben einer offenen und Vielfalt willkommen heißenden Positionierung und klar benannten Motiven konkrete Handlungsvorschläge beinhalten soll. Als Ideen dafür wurden Schulungseinheiten zur Sensibilisierung genannt, eine „KjGay“-ähnliche Vernetzungsgruppe auf Diözesanebene und Kooperationen mit SchLAu oder dem anyway. Und: Bevor der Antrag auf der Diko 2015 diskutiert wird, sollen sich die Delegierten im Diko-Studienteil mit dem Thema „sexuelle Vielfalt“ auseinandersetzen können.

Der Tag im „anyway“ hinterließ einen rundum positiven Eindruck bei allen Teilnehmenden.  Denn es wurde klar: KjG und sexuelle Vielfalt – das ist auch unser Thema.

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