Abgelegt unter: Der Fußball-WM-politblog
Möglicherweise war der eine oder die andere von uns anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in seiner bzw. ihrer Aufmerksamkeit äußerst eingeschränkt und ausschließlich auf die nächste Sportberichterstattung fokussiert – so wie das DFB-Team auf den nächsten Gegner. Hier unser Service für all diejenigen, deren Zeitung in den letzten vier Wochen nur aus dem Sportteil bestand.
Dies geschah in der Politik, während Deutschland Fußball spielte:
So. 13.06.2010
Der jungen deutschen Fußball-Nationalmannschaft gelingt das Auftaktmatch mit spielerischer Leichtigkeit: Sie besiegt Australien mit 4:0. Der ebenfalls noch recht jungen Regierungskoalition aus CDU, CSU und FDP dagegen fällt das Regieren nicht ganz so leicht: Sie streiten untereinander so laut und öffentlich über Krankenversicherung, Wehrpflicht und Atomausstieg, dass der eigentliche Gegner, die Opposition, auf Neuwahlen hofft. → „Süddeutsche Zeitung“
Fr. 18.06.2010
Das deutsche Team muss eine 0:1-Niederlage gegen Serbien einstecken und ist wieder auf dem Boden der Tatsachen. Studentinnen und Studenten dagegen können mit mehr Geld ab Oktober rechnen, denn der Bundestag beschließt einen um 2% erhöhten Bafög-Satz. → „Die Zeit“
Doch sowohl für die Nationalspieler als auch die StudentInnen wendet sich in den kommenden Wochen das Blatt: Große Fußball-Nationen werden an der deutschen Mannschaft, die Bafög-Erhöhung am Bundesrat scheitern.
Mi. 23.06.2010
Durch ein 1:0 im letzten Vorrundenspiel gegen Ghana erreicht Deutschland das Achtelfinale und Mesut Özil ist der Held. Dieser darf sich nicht nur wegen seines Tores glücklich schätzen. Denn andere Migrantenkinder haben es weitaus schwerer damit, erfolgreich zu sein: Eine Studie belegt, dass der Bildungserfolg in Deutschland immer noch sehr stark von der sozialen Herkunft abhängt und Jugendliche mit Migrationshintergrund am schlechtesten abschneiden. → „Die Welt“
So. 27.06.2010
Während das deutsche Team mit Können und Glück England 4:1 besiegt, gelingt Kanzlerin Merkel ein Treffer auf dem G20-Gifel in Toronto: Die führenden Industrienationen wollen bis 2013 ihre Staatsdefizite halbieren. Damit setzen die europäischen Nationen „ihren“ Weg aus der Wirtschaftskrise gegenüber den USA durch: Schuldenabbau statt Konjunkturprogramme. → „Der Spiegel“
Sa. 03.07.2010
Deutschland entzaubert mit einem 4:0 das favorisierte Argentinien. Und Angela Merkel verbringt nach einer anstrengenden Woche voller Regierungskrisen und einer nicht optimal verlaufenen Bundespräsidentenwahl einen schönen und erfolgreichen Samstag – in Südafrika. → „Bild“
Mi. 07.07.2010
Nach zuvor acht Treffern in zwei Spielen geizt die deutsche Elf im Halbfinale mit Torschüssen und verliert mit 0:1 gegen das spielerisch überlegene Spanien. Erfolgreicher will der deutsche Staat ab 2011 sparen: Die Regierung legt den Haushaltsetat für das kommende Jahr vor, in dem nun auch die neu im Grundgesetz verankerte „Schuldenbremse“ Wirkung zeigt. → „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Sa. 10.07.2010
Mit einem 3:2 gegen Uruguay belegt Deutschland den 3. Platz bei der Weltmeisterschaft. Über weite Strecken im Turnierverlauf zeigte das junge deutsche Team sein fußballerisches Potenzial und macht Hoffnung auf Titel und Erfolge in der Zukunft. Dagegen ist während des gesamten Weltturniers unklar, wie es mit Nordrhein-Westfalen weitergeht. Schließlich bildet sich eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Führung von Hannelore Kraft. Die Landesparteitage von SPD und den Grünen stimmen dem Koalitionsvertrag zu und wollen das Land besonders in den Themen Bildung, Klimaschutz und Stärkung der Kommunen in eine erfolgreiche Zukunft führen. → „Kölner Stadtanzeiger“
Um über den Start der NRW-Regierung, die Koalitionsstreitigkeiten in Berlin und die neuesten Rezepte gegen die Wirtschaftskrise auf dem Laufenden zu bleiben, empfiehlt sich der tägliche Blick in die Zeitung. In die gesamte Zeitung. Wir haben wieder Zeit dafür.